Archiv der Kategorie 'erlebtes'

13
Aug
11

Ein U-Boot-Christ taucht auf.

Zugegeben, ein vorzeige Christ war ich nie; werde ich auch wohl nie sein. Dafür bin ich zu politisch. Aber nach mehr als 5 Jahren in Dortmund zog es mich dann doch wieder in die Messe. Ein kurzer, innerlicher Disput entstand. Sonntags um 10? Samstags um 18:00? Die Entscheidung war gefallen. Am darauf folgenden Samstag ging es in die Sankt Gertrudis Kirche. Weiß verputzt von außen; funktionaler Baustil; für eine Kirche verhältnismäßig jung. Ich kenne den Bau seit einigen Jahren und war doch nie drinnen. Vielleicht, weil ich in meiner Schulzeit in jede Kirche rennen musste, die es auf jedem Wandertag zu passieren gab. Vielleicht auch, weil die Kirchen in Dortmund allzu oft nur offen sind, wenn in ihnen eine Messe, Veranstaltung oder ähnliches stattfand. St. Gertrudis also war eine katholische Landmarke in einer protestantischen Dortmunder – nein eher muslimischen Nordstädtischen Gesellschaft.
Ich suchte also mein Gotteslob heraus und machte mich auf den Weg. Von weitem waren die Glocken zu hören. Zumindest die ersten Schritte. Etwa 15 Minuten vor Messebeginn, ich war gerade knapp 100m unterwegs, hörten sie plötzlich auf. Gottes stetige Einladung hört einfach auf. Hektisch schaute ich auf die Uhr. Zu spät war ich nicht. Dauerte das Läuten nicht bis kurz vor dem Beginn der Messe? Wollte Gott meinen Entschluss testen? Ich ließ mich also nicht von meinem Wege abbringen! Stattdessen beschleunigte ich meinen Schritt und kam nach weiteren 400m an der St Gertrudis an.
Ein Lämpchen durch ein Fenster leuchtete. Die Messe schien stattzufinden. Ich versuchte hineinzukommen. Bei der 5ten Tür klappte es. Die sechste war auch auf; Flügeltüren. Was ein Glück. Ich war pünktlich und habe die Hürde des Hineinkommens mit Applaus bewältigt. Ich verließ das Foyer und betrat das Kirchenschiff. Leer. Also fast. Möbel und Bilder waren schon da. Menschen eher nicht. 12 zählte ich. Und da geschah es. Es stand mir und meinem Schritt im Weg. Plötzlich war es einfach da. In der Mitte des Ganges: Jenes Becken mit jenem Wasser, mit welchem sich die Kirchgänger bekreuzigen, wenn sie eine Kirche betreten. 24 Augen schauten mich an. Ein Glück, es war massiv; zumindest massiv verankert und wackelte nicht. Es war keine Schale voll Wasser. Es war ein Brunnen. Mulde, Stein drauf, Wasser aus dem Stein kommend. Modern.
Aber seit wann werden solche elementare Bestandteile plötzlich als Zimmerbrunnen aufgebaut? Dann auch noch mitten im Wege? Ich war irritiert, traute mich nicht, die Bekreuzigung durchzuführen. Schon wieder böse Blicke. Der Küster ordnete die roten Gotteslob Bücher und ließ mich offensichtlich nicht aus den Augen. Ich suchte mir eine Bank (aus). Im hinteren Teil des zweiten Drittels. Ich hatte die Hoffnung, dass weitere Kirchgänger kommen würden und sich vor mir hinsetzen würden. Da war es wieder. Dieses Missverständnis. Es kamen weitere Menschen; sie setzten sich jedoch in meinem Rücken. Also direkt hinter mich. Ich saß quasi in der 10ten Reihe und doch direkt vor dem Altar.
Welch ein Luxus. Freie Platzwahl, freier Blick und keine Enge. Aber es half mir nicht. Ganz rechts außen, in meinem Augenwinkel saßen drei weitere Menschen. Sie sollten mein Anker sein. Eine von diesen dreien war auch noch mobil. Sie sollte mir helfen, wenn ich es wieder durcheinander bringen sollte: Stehen, Sitzen, Stehen, Stehen, Knien, Stehen, Stehen, Knien, Sitzen? Ach ich habe es nie drauf gehabt. Bis heute war es auch nicht notwendig. Die Kirchengemeinden im Osnabrücker und Emsland wussten immer vorauseilend, was zu tun war. Ich brauchte mich also nur zu orientieren. Jetzt fühlte ich mich jedoch beobachtet. Die Altarbelegung vor mir ließ mich nicht aus den Augen (ich war auch wohl der jüngste) und das atmende Pärchen räusperte immerzu in meinen Nacken.
Nun gut. Ich wollte wieder in die Messe und durch die zahlreichen Kommunions- und Firmunterrichtsstunden musste schließlich irgendetwas hängen geblieben sein. Intuitiv ging ich die Sache an. Ich kannte das erste Lied und freute mich, der Melodie folgen zu können. Das Ehepaar in meinem Rücken sang spontan auch so laut, dass ich gar meine Stimme an ihrem Gesang anlehnen konnte. Der Start ist geglückt. Nun konnte es weitergehen. Doch nach zahlreichem Singsang – ich behaupte die Diözese Osnabrück ließ deutlich weniger singen – begann ich zu stolpern. Der Pastor erwartete auf so manchen Ausspruch eine Reaktion der Gemeinde. Ich tat, was ich erlernt hatte. Doch entweder fehlte mir grundsätzlich ein Wort, was nur das Paar in meinem Rücken auffiel, die daraufhin kommentierten, dass ich bald einschlafen würde (!), oder ich ein Wort zu viel sprach, was wiederum der versammelten Gemeinde auffiel. Das zog sich so denn auch durch die komplette Messe; von meinem großartigen Gesang ganz zu schweigen.
So siezte ich, als ich hätte duzen müssen. Ich verweigerte einen Knick, als ich hätte Knicksen müssen. Ich setzte mich, als ich mich hätte knien müssen. Ich sang die erste Strophe, als es die dritte zu singen galt. Ja und vollkommen aus der Fassung geriet ich, als der Pastor vorne am Ende seiner Fürbitten für die Diakone und angestellten der Gemeinde und Kämpfer für den katholischen Glauben seiner Gemeinde einen schönen Samstagabend, einen ruhigen Sonntag und eine gute Woche wünschte. Zu allem Überfluss antworte der Mann des Ehepaares hinter mir lautstark mit echter Ruhrpottbetonung „Danke, gleichfalls“. Mein Mund schwieg, mein Körper jedoch reagierte: ich hob die Hand und machte eine stumme, zustimmende Bewegung.
Dann war es vorbei. Ich verließ die Kirche mit einem Knicks zu viel, fingerte in dem Zimmerbunnen und bekreuzigte mich ein letztes Mal und stand vor der Kirche.

In diesem Sinne: Friede sei mit Ihnen!

13
Aug
10

Ich geh dann mal Laufen I Woche Eins

6ter 8te 20zehn: Lauf eins

Es war soweit. Der Wecker schrillte nicht. Vollkommen nervös erwachte ich um 8vierundvierzig. Eigentlich sollte der Tag nicht vor 11zwanzig beginnen. Keine Chance mehr auf weiterschlafen. Aufstehen. Richtig, ich wollte Laufen gehen. Wo sind meine Schuhe? Hose? Kappe? Alles da. Kappe fehlt. Nach 20Minuten suchen gebe ich es auf. Anonymität wird auch überbewertet.

Handy ran, Ohrstöpsel rein, Timer stellen. Los gehts. Geradeaus, dann rechts, dann über die Straße, in den Park – und nun? verdammt. Ich habe keinen Plan, wo ich lang laufen soll. Kreativlos einfach geradeaus. Irgendwann rechts, noch einmal rechts, dann wieder rechts. Irgendwie den Kreis schaffen. Immer an die 2Minuten Taktung halten. Nach Hause zurückkehren. Ausschwitzen. Auf den Muskelkater warten.

8ter 8te 20zehn: Lauf zwei

Enttäuschung macht sich breit. Ich habe keinen Muskelkater. Nicht einmal das Gefühl der Erschöpfung hat sich breit gemacht. Es ist Sonntag 8achtundfünfzig. Ich kann schon wieder nicht eigenständig ausschlafen. Also aufstehen, Laufsachen anziehen, Handy suchen. Verdammt Akku leer. Kein Handy, keine Musik, kein Timer. Also erst Badezimmer putzen, dann Laufen gehen. Es ist trocken. Eine Überraschung für den Tag. An den Fahrradtouristen vorbei, die in der Kneipe eingefallen sind. Wie kann man um 10uhr schon klatschnass sein und in eine Kneipe gehen?

Ich schlage den gleichen Weg ein. 2Minuten laufen, 2Minuten gehen. Kaum ein Mensch ist unterwegs. Nichts passiert. Ich kehre zurück. Es zwickt in der Wade. Rechts außen schlimmer als links außen. Endlich – Schmerzen. Das Scheitern beginnt. Nun kommt bestimmt auch der Muskelkater, das Wetter und mangelnde Motivation.

10ter 8te 20zehn: Lauf drei

Keine Schmerzen. Kein Muskelkater. Das Wetter stabil. Ich laufe los. Routine macht sich breit. Wieder rechts, dann in den Park, gerade aus, rechts abbiegen, dann rechts in den Waldweg und so. 2Minuten laufen, 2 Minuten gehen. Beim Laufen auf die Strecke achten. Beim Gehen den Puls kontrollieren. Immer wieder den Schnecken ausweichen. Es klappt nicht. 5 werde ich wohl erwischt haben. Das Ziehen in der Wade wird intensiver. In den letzten 2Laufminuten ist es gar intensiv. Ich bilde mir ein, eine Ausbeulung an der Wade zu erkennen. Meine Schritte werden kleiner, der Timer erlöst mich.

Nach Hause, Wade streicheln und Duschen gehen.

Fazit:

Ich habe tatsächlich meinen Trainingsplan eingehalten. Habe mich nicht abhalten lassen. Ich bin nicht vollkommen zusammengebrochen und demotiviert. Der nächste Lauf wird dann 3Minuten laufen, 2Minuten gehen. Eine geringfügige Steigerung. Oder bin ich schon fitter geworden? Schon erste Trainingserfolge? Ich werde sehen, wie die zweite Woche verlaufen wird.

In diesem Sinne

Glück Lauf.

Hier die Chronologie:

ich geh dann mal laufen i prolog>
ich geh dann mal laufen i woche ein

16
Jun
10

Du hast keine Ahnung, wie Tusche funktioniert, oder? – Der Selbstversuch

Ich fasse zusammen: Ich bin davon überzeugt, dass Wimperntusche flüssig ist und daher ausläuft. Ich bin im Besitz eines 1,85€ teuren Wimperntuschfläschchen.

Ich öffnete diesen Flakon, wissend, dass ich nun maximal 6Monate Zeit hätte, ihn zu leeren. Aber das sollte eigentlich kein Problem sein, sollte er doch nur auslaufen. Am Ende des Stabes, den ich herauszog, befanden Lamellen, an denen die Farbe zu hängen schien. Jedoch schien die Wimperntusche nicht sehr qualitativ zu sein, zumindest begrüßte mich sofort ein Bröckelchen am Ende der Lammellen. Meinen ersten Reflex, sofort das Ding zu reklamieren, konnte ich dann doch noch unterdrücken. Habe ich doch bewusst den günstigsten genommen und wollte den nur auslaufen lassen. Kein Augenschminken oder sonstiges.
Ich suchte mir einen Karton. Möglichst fest sollte er sein, damit diese Masse nicht so schnell durch die Pappe läuft. Ich schüttelte die Wimperntusche wie eine frischgeöffnete Saftflasche und legte sie in den Karton. Was soll ich sagen? Nix passierte. Ich änderte den Winkel. Nix passierte. Ich steckte diesen Lammellenstab noch einmal rein und “pumpte” und wiederholte das Spektakel. Nix passierte. Ich hielt den Flakon senkrecht, im 45Grad Winkel, klopfte, schüttelte. Nix. Da regt sich nichts.
Den Karton kann ich noch einmal verwenden und ich habe eine ganze Flasche Wimperntusche rumstehen, die ich bis Weihnachten leer haben muss. Wenn die jemand haben will: Ich hau die gerne raus!

Bleibt mir am Ende nur einzugestehen: Ich habe keine Ahnung, wie Tusche funktioniert.

All den Lesern und Leserinnen will ich dann aber doch noch das dritte Video von Youtube andienen:

16
Jun
10

Du hast doch keine Ahnung, wie Tuscher funktioniert, oder? – Der Einkauf

Ich ging in einen Drogerieladen einer ziemlich großen Drogeriekette. Nach einigen Sekunden suchen, fand ich denn auch sofort jene Ecke, die ich benötigte: Schminkzubehör auf 10m Länge – mindestens. Das Ziel: “Kaufe Wimperntusche, die du zum Auslaufen bringst!” Dementsprechend beschäftigte ich mich einzig und allein mit dem Preis und entschied mich für ein Produkt für 1,85.
Auf Basis meiner zahlreichen und umfassenden Recherchearbeit habe ich festgestellt, dass es sittsam ist, den kompletten Produktnamen zu nennen. Hier nun also die Facts:
Hersteller: essence/cosnova
Produktname: magic design mascara
Umfang: 8ml
Zu Verbrauchen: mindestens 6Monate nach Öffnung.
Produktbeschreibung: “Für den ultimativen mehr-wimpern-look. augenärztlich bestätigt”

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es ein guter Kauf gewesen sein muss. Immerhin ist es ein schlichtes, in schwarz gehaltenes und mit silbernener Schrift bedrucktes Fläschchen (nennt man dieses Röhrchen so?). Zudem es eine geschwungene Form, die sicherlich als weiblich durchgehen könnte.

Zu Hause habe ich dann sofort das Informationsplus angezapft und die Website aufgerufen. Surfte mich schnell und unkompliziert zum Produkt selbst durch und klickte dann noch kurz die verschiedenen Versionen durch, bis ich meinen, meinen ganz eigenen, fast schon persönlichen Mascara gefunden habe. Die Produktinfo ist jedoch etwas mäßig gewesen:

für den ultimativen „mehr-wimpern-look”! verlängert die wimpern und lässt sie schön voll aussehen.
erhältlich in schwarz.

Also fix noch eben die Inhaltsstoffe heruntergeladen und als Sahne on top noch die Gefahren und Warnhinweise. Wer mag, kann diese Einsehen auf den schon verlinkten Seiten. Die Warnhinweise und Inhaltsstoffe in 32 bzw. 70 Seiten zu lesen, ist dann auch nicht so interessant. Ich will den Mascara ja schließlich nur auslaufen lassen.

Bleibt mir das gute Gewissen, dass für meinen Mascara, dessen stolzer Besitzer ich nun bin, kein Tier in einem Tierversuch leiden muss! Sagt zumindest die Produktinfoseite und suggeriert, dass das Unternehmen schon seit 1998 auf solche Versuche verzichtet.

Mit einem guten Gefühl kann ich also auf ein weiteres kleines Schminkvideo verweisen:

16
Jun
10

Du hast keine Ahnung, wie Tusche funktioniert, oder? – Der Prolog

“Du hast keine Ahnung, wie Tusche funktioniert, oder?” warf sie mir an den Kopf. Etwas konsterniert suchte ich die passenden Worte. Einfallen wollten sie mir nicht. Woher sollte ich das Wissen? Meine Schminkerfahrungen sind arg begrenzt. Ich erinnere mich, wie eine Schulkameradin mir tatsächlich einmal Wimperntusche aufgetragen hat. Überzeugt hat es mich nicht. Ich blieb bei meiner Ansicht, dass Wimperntusche flüssig ist und daher prima auslaufen kann.
In den kommenden Einträgen, werde ich daher versuchen herauszufinden, ob und unter welchen Umständen Wimperntusche ausläuft. Dabei steht vor allem die Frage im Raum, ob Wimperntusche/Mascara in einer Schublade auslaufen kann oder nicht.
Ich startete vor einigen Minuten eine Reise durch die unendlichen Weiten des digitalen Raumes. So unendlich dieser Raum auch ist, so schnell habe ich mich darin auch verloren. Noch jetzt bin ich etwas irritiert ob der zahlreichen Menschen, die toternst ein jede Frage beantworten; ob der Menschen, die Fragen beantworten, die niemals gestellt worden sind; ob der Menschen die verdammte Axt einfach darstellen, wie sie sich schminken. Spannend ist sicherlich auch, auf der Seite Beinggirl.at diverse Werbung von Allways und Alldays zu finden. Zumindest meine Assoziationkette zwischen Schminken und Menstruation der Frau war definitiv noch nicht zustande gekommen.
Doch bevor ich mich intensiv mit dem funktionieren von Mascara beschäftige, will ich einen kleinen Werbeblock schalten:

13
Feb
10

kein Salz mehr da? Nehm ich halt Wasser!

Das scheint sich zumindest eine Dortmunder Bewohnerin bei mir um die Ecke gedacht haben. Seit Wochen hat der Winter auch das Ruhrgebiet fest im Griff. Hatten wir eigentlich geglaubt, mit dem abgetauten Schnee wäre nun alles vorbei und der Frühling könne einziehen, hat sich hier ein Rückfall eingestellt. Salz gab es aber wohl noch nicht wieder, die Räumpflicht besteht dennoch. Zunehmend mehr Menschen treten nun in den Räumstreik.

Eine Bürgerin jedoch scheint es alles beweisen zu wollen. Als ich an ihr vorbei ging war der Bürgersteig komplett schneefrei. Kein einziger Fußabdruck blieb über. Mit dem dampfenden Eimer, einer Zigarette im Mundwinkel betrachtete sie mit einem zufriedenen Grinsen ihr Werk. Einen kurzen Augenblick hatte ich das Gefühl, ihre Augen wollten mir sagen: Hab ich das nicht gut gemacht?

Als ich zurückkam war das Werk dann vollendet. Eine feinste Fläche glitzerndes Eis war entstanden. Ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren und freute mich über diesen kleinen Schildbürgerstreich und befand innerlich, dass sie das sehr gut gemacht hat!

08
Feb
10

The Who: SuperBowl XLIV Halftime Show 2010

Ein absolutes Highlight des gestrigen Super Bowls war die Half Time Show von The Who. Erschreckend die Tontechnik. Ob es nun an der ARD, dem internationalen Signal oder einfach an der Vorratsdatenspeicherung lag, ist mir herzlich egal. Es gibt schließlich Youtube und da passt Bild und Ton wieder zusammen! The Who bleibt ein Genuss!

18
Jan
10

track der woche

Nun scheint es sich durchzusetzen, dass ein Video des Tages, ein Soundtrack des Lebens oder ein Motto der Woche auf den Blogs gepostet wird. Wer mich kennt, weiß auch nur zu gut, dass ich für so etwas schnell zu begeistern bin.

So habe ich mir denn nun seit gestern auch wohl überlegt, womit ich starten möchte. Was bietet sich da besser an, als ein Stück von dem Album zu nehmen, das ich als erstes besessen habe?

Nun hier das Ergebnis (sogar mit Karaokefunktion):

10
Nov
09

wie der netto meine frisur verhinderte

Neun Uhr. Der Wecker schrillte. Schnell hoch, das Handy alias mein Wecker drohte sich vom Schreibtesch, der drei Meter von meinem Bett entfernt stand, herunterzuvibrieren. Der Ton ist unausstehlich. Gute Wahl, denke ich bei mir. Doch wo war ich? Es war nicht mein zu Hause aber dennoch vertraut. Immerhin fand ich den Weg zum Schreibtisch noch bevor ich die Augen öffnete – ohne gegen Stühle, Mülleimer oder sonstiges bodenbelegendes Zeug zu stoßen. Ich orientierte mich, stellte fest, dass alles gut war. Es war kein fremdes Zimmer und keine fremde Frau oder Mann lag in dem großen Bett. Nein, da lag eigentlich gar niemand.
Neun Uhr also. Ich hatte mir vorgenommen aufzustehen -irgendwann letzte Nacht zwischen eins und zwei. Aber da ich nun einmal wach war, konnte ich auch duschen gehen und den Tag freudig beginnen. Zurück in dem Zimmer meines Schlafes durchsuchte ich meine Tasche. Ich fand sie nicht. Ich hatte nicht nur mein Duschgel vergessen sondern obendrein auch meine Bürste. Ein Blick in den Spiegel verriet: Eine Katastrophe. Ich sah aus, als hätte ich in eine Steckdose gepackt. Also zumindest glaubte ich, dass Menschen die in eine Steckdose fassen so aussehen müssten. Meine Haare standen zu allen Seiten hin. Bürste, Kamm oder eine Gabel, nichts war zu finden, mit dem ich meine Haare hätte richten können.
Also los, Mütze auf, Bürste, Kamm oder ähnliches kaufen. Ich wusste, dass 200 Meter entfernt ein “Plus” war. Auf dem Weg dorthin erinnerte ich mich an den Werbespruch von “Plus”. Also jenen vor den “Kleinen Preisen”. “Prima-Leben-und-Sparen”. Feststellend, dass man als Werbetexter offensichtlich mit den flachsten Sprüchen eine große Menge Knete einheimsen konnte, ärgerte ich mich zu allem Überfluss nicht nur über meine vergessene Bürste sondern auch über die falsche Berufswahl: Raumplanung. Statt viel Geld für wenig gelungene Einfälle steht mir wenig Geld bei genialen Plänen bevor. Wie ungerecht!
Verdammt, hier ist alles anders. Im Gegensatz zum morgendlichen Wecker-Aufstehen- Ritual fand ich mich nicht zurecht. Alles war anders – nichts vetraut. Das Obst stand mir nicht mehr lieblos aufgebarrt im Weg sondern steuerte meine Bahn hin zum Müsli. Ich wollte doch gar kein Müsli. Das Fleisch verbaute mir den Weg zur Milchtheke. Morgens um halb zehn so viel Fleisch vor der Milchtheke verdirbt einem sofort den Appetit auf Frühstück. Und warum war eigentlich alles so verdammt Gelb? Die Einkaufswagen meiner Mitmenschen, die Preisschilder an den Regalen, die Regalverkleidungen. Tine Wittler? Nein, die konnte es nicht gewesen sein, es war eher schnörkellos und der Boden ist immer noch im klassichen “Discounter- Fließen- Look” der 90er Jahre.
Da wurde mir klar, auch diese “Prima- Leben- und- Sparen” Filiale ist umgewandelt worden. “Netto”. Für einen Studenten ein ungünstiger Name. Zahle keine Steuern, liege den Eltern auf der Tasche und nutze den Staat überall aus. Das Wort “Netto” hat also für mich eine Bedeutung wie das Wort “Zahnseide”. Ich kenne es.
Ob es für “Netto” wohl bald auch so sympathische Werbesprüche geben würde? Vielleicht entlehnt sich auch jemand einen Spruch aus der Politik: “Mehr Netto vom Plus”. Nein, ich bin nicht zum Werbetexter geboren.
Doch wo waren denn nun die Bürsten geblieben. Ich fand die Drogerieabteilung. Zahnpasta, Duschgel, Zahnseide, Nassrassierer für Sie und Ihn, mit und ohne schwenkbarem Rasierklingenkopf – alles war zu finden. Sogar eine Schere für die Fingernägel hing an diesem wunderbaren Regal. Eine Bürste suchte ich vergebens. Da fühlte ich mich auf einmal alt. Es durchschoss mich wie ein Blitz oder eben der Strom, wenn man in einer Steckdose gefasst hat. Diesen Satz, den ich nie denken und schon gar nicht sagen wollte: “Früher war alles Besser. Da war es hier noch ein Plus und ich konnte eine Bürste kaufen.” Früher konnte der Plus neben dem Netto leben und der Edeka hat sich meist auch gefreut, wenn jemand vorbeischaute. Heute haben sich Plus und Netto zusammengetan und aus diesem Plus wurde Netto City. Aus meiner Bürste eine vergrößerte Auswahl an Zahnseide (gewachst, ungewachst, hart, weich, handgezwirbelt oder maschinell, blau, grün, rot). Aus einem Kunden mit positiven Lebensgefühl wurde ein Mensch, der das Brutto vermisste – seine Bürste.

21
Aug
09

Wahlkampfplakate II

Eine Woche vor der Kommunalwahl in NRW und wieder einmal stehen die Straßen voll mit Plakaten und Köpfen. Vergangene Woche aber besuchte ich Köln. Als Kommunalwahlkämpfer in Dortmund, habe ich ein gesteigertes Interesse an den Plakaten selbst gehabt. Und siehe da, die Kölner wählen nicht nur einen neuen Oberbürgermeister, einen neuen Rat und Vertretungen, sondern dürfen auch über den kreativsten Wahlslogan abstimmen.
Die CDU versucht selbstbewusst aufzutreten und Plakatiert:
“Köln kann’s.”

Die FDP kontert mit:
“Köln kann mehr!”

Die SPD überrascht mit:
“Köln kann’s besser!”

Ich bin gespannt, wer das Rennen macht!

In diesem Sinne

Yes, we can!

Platzebo




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