Archiv der Kategorie 'politik'

07
Mai
12

Wer hats gemacht?

Es kann mächtig in die Hose gehen, sich in der Politik einer gewissen Fußballmetaphorik zu bedienen. Nun, in diesem Fall bin ich mir sicher, dass der Vergleich gelingt. Die alte Dame, das ist nicht nur die Hertha aus Berlin. Die Alte Dame, das ist auch die FDP. Zwei Berliner Schicksale werden in Düsseldorf entschieden. Hertha und die Liberalen steigen in die zweite Liga ab. Schlechter Fußball und schlechte Politik führen ins Abseits. Soweit waren eigentlich beide “Vereine” bereits. Beide Berliner Schwerkaliber müssen sich an den Fahrstuhleffekt gewöhnen. Mit einem Unterschied: Die Hertha hat den Fehler bemerkt und sich vergebens Unterstützung aus Griechenland geholt. Für Herrn Brüderle sind die Griechen Schuld. An allem.

Es ist schon bemerkenswert, mit welch sprachlicher Raffinesse der studierte Publizist und designierte Parteivorsitzende der FDP, Rainer Brüderle, seine neo-neoliberalen Freunde auf dem Parteitag eingeschworen hat. Diesem Meisterwerk der Rhetorik, dieser Eloquenz, diesem Feuerwerk der Gefühle möchte ich mich anschließen und anstoßen auf die alte Dame der Politik.

Erpressung durch Stromkonzerne. Wer hat’s gemacht?

IHR HABT’S GEMACHT!

Gegen den Mindestlohn gestänkert. Wer hat’s gemacht?

IHR HABT’S GEMACHT!

Opel aufgegeben. Wer hat’s gemacht?

IHR HABT’S GEMACHT!

Fukushima verharmlost. Wer hat’s gemacht?

IHR HABT’S GEMACHT!

Steuergeschenke für Hoteliers. Wer hat’s gemacht?

IHR HABT’S GEMACHT!

Als Regierungspartei versagt. Wer hat’s gemacht?

IHR HABT’S GEMACHT!

Jung, radikal, erfolglos. Wer hat’s gemacht?

IHR HABT’S GEMACHT!

Dubiose Wahlkampffinanzierung. Wer hat’s gemacht?

IHR HABT’S GEMACHT!

Keine klare Kante in der Außenpolitik. Wer hat’s gemacht?

IHR HABT’S GEMACHT!

Konzepte gegen gute Bildung. Wer hat’s gemacht?

IHR HABT’S GEMACHT!

Gute Politik für NRW. Wer hat’s gemacht?

WIR HABEN’S GEMACHT!

Und wir machen weiter! Am 13. Mai haben wir eine stabile Mehrheit und ihr einen neuen Vorsitzenden.

Autor:
Andreas Cierpiol ist stellvertretender Vorsitzender der Dortmunder Jusos. Dieser Artikel spiegelt seine private Meinung wider und steht nicht im Zusammenhang mit seinem Amt.

22
Apr
12

RRX statt Ruhrradweg

Pendler haben es im Ruhrgebiet nicht einfach. Wählen sie die Bahn, kommt diese häufig eher selten, dann aber verspätet und zu allem Überfluss auch noch vollkommen überfüllt. Wählen sie das Auto, stehen sie alle paar Kilometer auf der Straße und schleichen im Schneckentempo ihrem Ziel entgegen. Plant die Bahn noch den Ausbau der Pendlerstrecke durch den fatamorganistisch wirkenden RRX, so findet die Kapazitätssteigerung auf den Autobahnen bereits seit einigen Jahren statt.

Doch Rettung naht: Eine „Autobahn“ nur für Radfahrer quer durch das Ruhrgebiet für angesetzte 110Millionen €. Von Dortmund nach Essen nun also nicht mehr im überfüllten R1 sondern auf dem Fahrrad. Nach Abschluss der Planung, dem Bau bzw. Herrichtung der einzelnen Teilabschnitte, sollen die Pendler in Zukunft runter von der Schiene und raus aus dem Auto. Das Fahrrad mutiere so zum Mittel der Wahl der Pendler für den täglichen Weg zur Arbeit. Auf breiten Trassen, die mit hoher Geschwindigkeit befahren werden können, sollen die Menschen in Zukunft ohne Emissionen und mit reiner Muskelkraft die überfüllten Straßen und Züge entlasten. Doch wie viele Menschen werden es sein, die sich in ihrer Büroarbeitskleidung auf ihr Rad schwingen werden, durch die einzelnen Städte hindurch fahren, um zur „Radautobahn“ zu gelange?

Wie viele Menschen bräuchte man, damit es überhaupt auffiele, dass weniger Autos auf der Autobahn und im R1 unterwegs sind?

Statt Gelder in ein Grünes Prestigeprojekt zu verbraten, muss der beschleunigte Ausbau des RRX geschafft werden. Mit seiner 20minütigen Taktung würde der RRX effektiv für Entlastung sorgen und den Pott für die wachsende Pendlerschar fit machen. Ein Ruhrradschnellweg hingegen käme einer provinziellen „So- Da“- Brücke gleich, die zwar nett anzuschauen sein kann, aber deren Nutzen eher gen null tendiert – eine spürbare Entlastung für die Pendlerströme wird ein Ruhrradweg nicht bringen.

Anstatt einer zeitintensiven Träumerei zu verfallen, sollte die Idee eines Ruhrradweges als Entlastung der Autobahnen und Schienen wieder in die Schublade zurück gelegt werden. Das Ruhrgebiet braucht den RRX statt eines Hirngespinstes. Jeder Tag, der eine frühere Realisierung des RRX ermöglicht, ist für die Pendler im Pott ein gewonnener Tag.

21
Feb
12

Premiere

Ratssaal in der Stadt Dortmund und es erhoben sich die Anwesenden zum feierlichen Gelöbnis von den Plätzen und schwupps war ich formal in den Ausschuss als volles Mitglied aufgenommen. Es folgte ein Parforce- Ritt durch die einzelnen Bereiche des Ausschusses. Fast schon trivial war die Arbeit im Ausschuss und doch umfasste die wichtigste Funktion dabei die Kontrolle der Verwaltung und ihrer Arbeit.

Und so stellte sich am Horizont die Frage heraus, was bspw. mit den SeniorenBüros in denen Stadtbezirken geschehen werden, die am kommenden Donnerstag auf Betreiben der Grünen Fraktion aufgelöst werden solle. Spannend daran war auch, dass eben diese Fraktion  sich sorgte, dass ihr Handeln im Rat negative Konsequenzen wie die Schließung von Infrastrastruktureinrichtungen nach sich ziehen könne. Dass aber im Zuge der Reduzierung der Stadtbezirke nicht zwangsläufig die Schließung wie Einrichtungen der SeniorenBüros zur Folge hat, ist sicherlich nachvollziehbar. Allerdings wird es niemanden überraschen, dass gerade diese Konsequenz in den kommenden fünf bis zehn Jahren zu beobachten sein wird.

Die Schließung der Stadtbezirke, die in ihrer jetzige Form weder mutig noch konsequent ist, wird die Politik direkt und indirekt noch lange beeinflussen. Die SeniorenBüros in Eving oder Huckarde werden dabei nur die Symptome anzeigen.

 

20
Feb
12

6 Wochen Saufraum – Café Berta in der Startphase

Es war wohl so etwas wie eine Bürgerversammlung, als sich die Nordstadt- Familie zum NordmarktPlus  traf und dem Input der Café Berta Betreiber lauschten. Dieser begab sich denn auch sogleich auf das dünne Eis. Die Vorurteile wie auch die Erwartungen sind ebenso groß wie mannigfaltig. Café Berta will diesen entgegentreten und deutlich machen, wie die ersten sechs Wochen verlaufen sind.

So erfahren die 30 Zuhörer, dass innerhalb in dieser Zeit bereits 1.500 Menschen – „wir nennen sie Klienten“ – begrüßt worden sind, die blutjunge Sozialarbeiterin ihre Arbeit aufgenommen hat, es bisher keine Beschwerden über den Beschwerdebriefkasten, dem Ordnungsamt oder über andere Kommunikationswege gab und schließlich nur ein Polizeieinsatz notwendig gewesen sei.

Überraschend offen war das Statement und die anschließenden Antworten – leider auch überraschend erschreckend.

1.500 „Klienten“ besuchten das Café Berta in den vergangenen Wochen. Davon seien aber nur 15% Frauen gewesen. Ebenso sei die Zahl in dem Sinne zu verstehen, dass es eine Einteilung des Öffnungstages gebe und es dadurch zu Doppellungen kommt, wenn der „Klient“ nur temporär im Café war und zu einer anderen Zeit wiedergekommen sei. Voll sei das Café vor allem ab 15:30, wenn mehr als 5-7 Personen dort anwesend seien. Dies zeugt davon, dass die 5 minus 1 Bürgerarbeiter bereits ihren Einsatz aufgenommen haben, deren Überzeugungswirkung nicht gerade das Ziel erreicht, die Alkoholiker-Quote u.a. auf dem Nordmarkt deutlich zu senken. Zumal der wetterbedingte Einfluss berücksichtigt werden muss. Was passiert, wenn keine winterlichen Temperaturen herrschen oder das Nasskalte dem Frühlingshafte weicht?

Bei dem Polizeieinsatz ginge es nicht um Angelegenheiten des Cafés, da dieses bereits geschlossen hatte. Dennoch habe man sich darum bemüht, die Polizei zu informieren, da die betroffenen Personen aus dem Café gekommen seien, als dieses geschlossen wurde. „Unsere Verantwortung endet eben nicht nach Ende der Öffnungszeit“, wurde denn auch stolz verkündet und lässt doch den faden Beigeschmack zurück, dass es eben wohl zu Problemen im Umfeld zu kommen scheint, welche die Wohnqualität der Menschen vor Ort nicht verbessert. Dies wird zudem dadurch bestätigt, dass neben diesem einen Polizeieinsatz weitere 2 eintägige Hausverbote erteilt werden mussten.

Dass der Beschwerdebriefkasten noch keine Beschwerde aus dem Umfeld erhalten haben, ist offenkundig ein gutes Zeichen. Doch stellte sich auch an dieser Stelle heraus, dass der Beschwerdebriefkasten nicht als solcher gekennzeichnet sei. Stattdessen ähnele er einem klassischen Briefkasten, welcher er aber nicht sei, denn „dazu haben wir einen zweiten Kasten an der Tür hängen“.

Bleibt schließlich die Sozialarbeiterin, die der versammelten Nordstadtfamilie versicherte, zahlreiche Aufgaben zu übernehmen. Ihr Tätigkeitsfeld umfasse dabei sowohl die Hilfe zur Einstufung in die Pflegestufe 1 als auch eine Art Kontrolle von Bescheiden der Arbeitsagentur, Behördentelefonate und die Schnittstelle zu Suchtberatungen. Ein echtes Allround- Talent also. Auf die Frage jedoch, welche Altersstruktur denn so ihre Beratungen in Anspruch nehme, stellte sich dem erstaunten Publikum heraus, dass „die meisten, also die allermeisten über 18 seien; deutlich über 18; denn unter 18 dürfe schließlich niemand in das Café Berta“.

Sechs Wochen sind bekanntlich keine 100 Tage und der Projektzeitraum, der vor allem als Modellversuch durch den Rechtsdezernenten betrachtet wird, beträgt eben 2 Jahre. Alles muss sich einspielen. So soll an dieser Stelle nicht der Stab über ein Projekt gebrochen werden, welches noch immer in der Startphase steckt. In den kommenden Tagen werde ich denn auch dort vorbeigehen und mir den Laden von innen anschauen – unangekündigt und mit einem kritischen Blick.

25
Jan
12

Angstraum Dortmunder CDU

Wird ein CDU Mitglied nach den Kernkompetenzen der Partei gefragt, so wird sicherlich “Wirtschaftspolitik” geantwortet, wenn die Bundesebene im Fokus steht. An die kommunale Ebene denkend steht das berühmte und nicht selten berüchtigte SOS (“Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit”) an vorderster Stelle. So ist es auch kaum verwunderlich, dass die Dortmunder Ratsfraktion auf der Suche nach Themen “Angsträume” auf ihr Schild gehoben haben.

Neben all dem Ratswahlwiederholungs- Vollkaskorechtsschutzversicherungstheater in den vergangenen Stunden und Tagen kann man die CDU nur beglückwünschen, dass sie wieder über Themen diskutiert will. Die Probleme der Stadt liegen nicht in einer Ratswiederholungswahl sondern, ganz recht liebe CDU, in der Frage, wie wir Zusammenleben wollen.

Angsträume sind dabei eines der dominierenden Probleme in einer wachsenden und pulsierenden Großstadt wie Dortmund, wenn es darum geht, wie Wohl sich die Menschen in Dortmund fühlen. Der Weg nach Hause, der Weg zur Arbeit oder einfach nur zum Kiosk um die Ecke kann schnell zu einem negativ belastetet Erlebnis werden, wenn dunkle Ecken, schummerige Unterführungen oder Brücken zu queren sind.

Löblich also, dass die CDU sich dieser Räume annehmen wird. Überraschend, dass sie diese zunächst identifizieren muss.

Einfältig und eindimensional ist aber der Lösungsvorschlag. Ordnungskräfte an jene Orte zu schicken, die dunkel und/oder schlecht einsehbar sind oder aber an denen sich Menschen aufhalten, die nicht den Kleidungsidealen des konservativen Bürgertums entsprechen, wird keinem Nutzen. Die Angsträume bleiben dunkel, Unterführungen bleiben schummerig und schlecht einsehbar und Brücken beängstigend eng. Wohin die Menschen mit den schwarzen Kutten vertrieben werden sollen, wird auch nicht ersichtlich.

Nein, der verstärkte Einsatz der uniformierten Staatsmacht wird keine Lösung oder Verringerung der Angsträume schaffen. Stattdessen müssen eben diese Orte individuell bearbeitet werden. Dort, wo es dunkel ist, muss es hell werden. Dort wo in Parks Nischen geschaffen worden sind, die zum Dealen mit geschmuggelten Zigaretten einladen, müssen die Sträucher gestutzt werden und dort wo Jugendliche alkoholisiert pöbeln muss das angebotene Freizeitprogramm kritisch nach seiner Anschlussfähigkeit hinterfragt werden.

Wer also Angsträume beheben will, der muss dort ansetzen, wo sie entstehen, und darf nicht dem Glauben verfallen, dass Ordnungsamtskräfte eine Vorgartenidylle herbeizaubern können.

05
Dez
11

Gabriel und die Kommunen

Eine lebendige, eine rethorisch starke Rede konnten die Parteitagsdelegierten, Gäste, Presse und alle Zuhörenden erwarten. Sie wurden nicht enttäuscht. Launisch, kämpferisch und mit einer gewissen Prise Selbstkritik garniert, lieferte Gabriel das ab, was wohl auch erwartet worden ist.

Ein Schwerpunkt dabei waren die Kommunen.

Wer die Kommunen als unverzichtbares Element der Gesellschaft identifiziert, hat eine wesentliche Erkenntnis errungen. Wer die Sozialdemokratie als DIE  wesentliche kommunale Partei in Deutschland beschreibt, der hat verstanden, dass Gleichberechtigung, Solidarität und Freiheit der Menschen in der Entwicklung der Kommunen liegt.

Es ist also wichtig, dass die SPD auch weiterhin in den Kommunen stark verankert bleibt, um die Gesellschaft dort gestalten zu können. Es ist also wichtig, dass die SPD die Entwicklung der Kommunen vorantreibt, um den Zusammenhalt der Gesellschaft sichern zu können und die moderne Gesellschaft eine solidarische ist.

Demgegenüber stehen jedoch die zunehmend neuen Aufgaben der Kommunen und die zahlreichen externen Einflüsse wie sie mit dem Schlagwort Strukturwandel all zu häufig umschrieben werden. Die finanzielle Grundlage insbesondere der Großstädte in Deutschland ächzen unter den wachsenden finanziellen Belastungen und den schwankenden finanziellen Einnahmen.

Das Bekenntnis zu den Kommunen und den kommunalpolitischen Sozialdemokraten ist daher sicher lobenswert. Wichtiger wäre jedoch, die Bekenntnisse endlich in handfeste Politik zu gießen. Temporäre Finanzierungsübernahmen von Instrumenten und Maßnahmen wie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder der Herstellung von Chancengleichheit sind Wohltaten für die Legislaturperiode. Mit dem Ende der Finanzierungszusagen sind die Scheinwerfer aus, die MdBs wiedergewählt, die Nachrichtenlage weiter gezogen. Die Menschen in den Städten haben die sozialdemokratischen Errungenschaften schätzen gelernt und ein Rückbau von KiTas oder schulischer Ganztagsbetreuung ist in einer modernen Gesellschaft nicht mehr vorstellbar.

Die Kommunen scheinen aber gerade das letzte Glied in einer langen Kette der haushaltspolitischen klammen Kassen. Der Bund muss sparen, die Länder müssen sparen und nicht selten werden diese Einsparungen auf Kosten der Kommunen gemacht. Härtestes Beispiel ist insbesondere die Streichung der Förderungen im Bereich der Stadtentwicklung und der Sozialen Stadt. Das ist Raubbau an der Kommune zur Erfüllung der Schuldenbremse.

Es steht zu befürchten, dass die Bundesländer ähnlich verfahren (müssen). Ebenfalls gehen Steuersenkungen insbesondere bei der Gewerbe- und Einkommenssteuer zu Lasten der Kommunen.

Es ist also höchste Zeit, die kommunalen Finanzen neu und ehrlich zu ordnen. Krisenfest und die neuen Aufgaben berücksichtigend müssen die Maßstäbe sein, die bei einer Neuausrichtung von Bedeutung sind. Außerdem ist es an der Zeit, den Soli nicht mehr nach geographischen Richtungen zu verteilen, sondern insbesondere jenen Kommnuen zu helfen, die den Strukturwandel und die damit verbundenen gesellschaftlichen Verwerfungen organisieren und überwinden müssen.

Sigmar Gabriel und sein neu gewählter Vorstand muss dieses Eisen anpacken, wenn er und die SPD sich weiter auf auf die kommunalpolitische Stärke verlassen will.

Die Rede von Gabriel nachlesen? Wirklich? Dort: spd.de

12
Okt
11

Die Thier- Galerie? Ein echter Glücksfall für Dortmund

Endlich ist es soweit. Mit dem Auto in die Innenstadt, im Parkhaus parken und mit dem Fahrstuhl direkt in den Tempel einfahren. Warum hat eine solche Erfindung so lange auf sich warten lassen? Seit Jahrzehnten war die Shoppinglaune vom Wetter abhängig. Die Jahreszeiten bestimmten das Geschehen. Nun aber ist Abhilfe geschaffen: Die Thier- Galerie ist da. Niemand muss mehr durch Schnee stapfen, um sich neue High- Heels kaufen zu müssen oder bei 35 Grad im Schatten auf der Suche nach einem Regenponcho zu scheitern. Selbst der Verköstigungsgelegenheit für den belohnenden latte macchiato im Starbucks ist direkt integriert. Trendsetter setzen natürlich auf den Bubble Tea – ebenso wie man sich heute auch in eine Schlange anstellt, um in einen Laden hineinzukommen, anstatt erst vor der Kasse Schlange zu stehen.
Ein echter Glücksfall für Dortmund also!
Die Menschen strömen in Scharen in die Thier Galerie, die Fußgängerströme scheinen sich schon nach wenigen Tagen in den westlichen Teil der Hellwegeinkaufspassage zu verlagern und endlich kann in Geschäften wie Buttlers, NANU NANA oder Lütgenau wieder entspannt eingekauft werden. Dort ist der Hellweg ist endlich wieder begehbar. Er lädt fast zum Flanieren ein. Der Platz und Raum für einen Einkaufsbummel ist wieder da. Die Schaufenster sind wieder zu sehen und die Schlangen an den Kassen sind auch kürzer geworden. Einlassbeschränkungen braucht da offensichtlich niemand (mehr).
Ein echter Glücksfall für Dortmund also!
33.000m² echtes Shoppingparadies scheinen das Angebot in der Dortmunder Innenstadt gänzlich abzurunden. Knapp 40% der Geschäfte in der Thier- Galerie gab es vorher nicht in Dortmund. Alte Platzhirsche wie Voswinkel haben Platz für neue Geschäfte gemacht, als sie sich entschlossen, in die Shopping- Mall einzuziehen. Allein die Architektur gibt den Dortmundern etwas, wonach sie sich so sehr sehnen: Dortmund eine Stadt mit Historie jenseits von Kohle, Stahl und Bier. Die fast schon berlinerisch/preußisch anmutende Fassade erscheint wie eine Insel, eine Oase, eine Weißsagung gar zwischen all den Gebäuden aus dem Wiederaufbau und der Wirtschaftswunderzeit. Dortmund ist wieder wer. Schaut her, liebe Weitgereisten, schaut her liebe Tanten und Onkels aus München, Hamburg, Leipzig und Berlin: Wir haben ebenfalls wertvollen Baubesatz. Diesen zu feiern können wir gleich das Schöne mit dem Schöneren verbinden: Shopping bei konstantem, idealem Shopping- Klima mit den besten Geschäften und den exklusivsten Angeboten der ganzen Stadt – ja des ganzen Ruhrgebietes.
Ein echter Glücksfall für Dortmund also!
Und Kritik? Sicherlich kann die Gefahr bestehen, dass andere Geschäfte existenzgefährdende Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Aber sie müssen sich anpassen. Außerdem muss sich eine Stadt doch verändern; mit der Zeit gehen sozusagen. Warum also nicht jenseits der Kleppingstraße ein Quartier schaffen, welches sich durch Wasserläufe, Bäume und Begrünung auszeichnet? Warum nicht, den Geschäftsbesatz dahingehend ändern, dass mehr kleine Fachgeschäfte, Boutiquen oder Spezialisten ihren Weg finden?
Das Bild der Dortmunder Innenstadt wird sich verändern. Eine kluge Stadtplanung, eine kluge Politik wird vorausschauend agieren und frühzeitig Maßnahmen entwickeln, welche den Ostenhellweg ein unverkennbares Gesicht geben werden.
Die Thier- Galerie? Ein echter Glücksfall für Dortmund also!
veröffentlicht: Roter Faden Dortmund
17
Jun
10

minderheiten

minderheiten
minderheitenmeinung
minderheitenschutz
minderheitenrechte
minderheitenregierung

19
Apr
10

Perlen des Wahlkampfes: OB, Dortmund, 2010

Der Dortmunder Wahlkampf zur Oberbürgermeisterwahl ist eigentlich ein Roman wert. Doch will ich mich beschränken auf eine Anekdote, auf ein Zitat, auf die Frage, wie privat ein Kandidat sich darstellen muss. Schon der Wesselmann mit Ulli Sierau und seiner Familie stellt für mich und meinen Vorstellungen ein Tabubruch dar. Dass der wesentliche Gegenkandidat mit seinem Konterfei und der blonden Tochter in seinem Rücken auf dem Flyer zu sehen ist, mag als Retourkutsche bewertet werden. Einladend wirkt zugleich der Datensatz, der mitgeliefert wird. Weiß ich doch nun, dass sie es bei facebook und xing ist, die so träumerisch auf dem Foto schaut.
Spannend sicherlich auch, dass man das selbe Foto vom Flyer auch bei ihm auf der Homepage findet, dort allerdings noch mit seiner Frau an der Seite, die auf dem Flyer unschön weggeschnitten ist. Es verbietet sich die Frage, nach dem “Warum” und unterlasse jegliche Interpretation.

DAS Highlight jedoch ist ein Teil des Textes, den es nach dem Aufschlagen des Folders zu lesen gibt:

„Poldi!!“, ruft Andre lautstark die Treppe runter, den Hörer in der Hand: „Poldi, schon wieder für dich!!!“ Draußen ist die erste Frühlingssonne schon untergegangen. „Geht nicht, räume auf“, schallt es von unten. „Ist dringend, dauert nicht lang!“ „Ok, ok, komme ja…“ Leicht genervt, dann doch gut gelaunt steigt der drahtige Mittfünfziger die Treppe hoch, in der Hand eine Flasche roter Landwein aus der Provence. Komisch verzweifelt streckt der fast 17jährige seinem Stiefvater den Hörer entgegen. Zwischen den beiden stimmt die Chemie. „Joachim Pohlmann, guten Abend. Schön, dass Sie anrufen…“

So geht’s zu im Hause Pohlmann, pardon, Becking-Pohlmann. Ein ganz normales Reihenhaus in Barop, kleiner Garten, ruhige Nachbarschaft. Im Hintergrund schimmert das Westfalenstadion. Telefon und Handy klingeln in einem Stück – Mitarbeiter, Mitstreiter, Freunde, alle wollen sich mit Pohlmann besprechen. Und der hat auch immer den richtigen Ton parat: „Lassen Sie sich keine grauen Haare wachsen“, sagt er in den Hörer hinein. Und alles lacht, trägt der zukünftige Oberbürgermeister doch selbst schon seit Jahren ein strahlend weißes, ganz und gar ungefärbtes Haupthaar durch Dortmund…

Quellwasser

Mensch, da weiß ich doch sofort, welcher Typ Mensch dieser Kandidat ist. Danke, Poldi!

13
Apr
10

Dortmunder Nordstadt: katastrophale Kennzahlen

Letzte Woche Zahlen aus der Lokalpresse zur Nordstadt:
62% besitzen einen Migrationshintergrund.
25,7% Arbeitslosigkeit
17.000 auf Geld nach SGB II angewiesen (von etwa 50.000)
340 von 1.000 Menschen beziehen Sozialleistungen. (gefolgt von Mengede, Eving, Scharnhorst mit werten zwischen 150-160)

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