Archiv der Kategorie 'Uncategorized'

25
Jan
12

Angstraum Dortmunder CDU

Wird ein CDU Mitglied nach den Kernkompetenzen der Partei gefragt, so wird sicherlich “Wirtschaftspolitik” geantwortet, wenn die Bundesebene im Fokus steht. An die kommunale Ebene denkend steht das berühmte und nicht selten berüchtigte SOS (“Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit”) an vorderster Stelle. So ist es auch kaum verwunderlich, dass die Dortmunder Ratsfraktion auf der Suche nach Themen “Angsträume” auf ihr Schild gehoben haben.

Neben all dem Ratswahlwiederholungs- Vollkaskorechtsschutzversicherungstheater in den vergangenen Stunden und Tagen kann man die CDU nur beglückwünschen, dass sie wieder über Themen diskutiert will. Die Probleme der Stadt liegen nicht in einer Ratswiederholungswahl sondern, ganz recht liebe CDU, in der Frage, wie wir Zusammenleben wollen.

Angsträume sind dabei eines der dominierenden Probleme in einer wachsenden und pulsierenden Großstadt wie Dortmund, wenn es darum geht, wie Wohl sich die Menschen in Dortmund fühlen. Der Weg nach Hause, der Weg zur Arbeit oder einfach nur zum Kiosk um die Ecke kann schnell zu einem negativ belastetet Erlebnis werden, wenn dunkle Ecken, schummerige Unterführungen oder Brücken zu queren sind.

Löblich also, dass die CDU sich dieser Räume annehmen wird. Überraschend, dass sie diese zunächst identifizieren muss.

Einfältig und eindimensional ist aber der Lösungsvorschlag. Ordnungskräfte an jene Orte zu schicken, die dunkel und/oder schlecht einsehbar sind oder aber an denen sich Menschen aufhalten, die nicht den Kleidungsidealen des konservativen Bürgertums entsprechen, wird keinem Nutzen. Die Angsträume bleiben dunkel, Unterführungen bleiben schummerig und schlecht einsehbar und Brücken beängstigend eng. Wohin die Menschen mit den schwarzen Kutten vertrieben werden sollen, wird auch nicht ersichtlich.

Nein, der verstärkte Einsatz der uniformierten Staatsmacht wird keine Lösung oder Verringerung der Angsträume schaffen. Stattdessen müssen eben diese Orte individuell bearbeitet werden. Dort, wo es dunkel ist, muss es hell werden. Dort wo in Parks Nischen geschaffen worden sind, die zum Dealen mit geschmuggelten Zigaretten einladen, müssen die Sträucher gestutzt werden und dort wo Jugendliche alkoholisiert pöbeln muss das angebotene Freizeitprogramm kritisch nach seiner Anschlussfähigkeit hinterfragt werden.

Wer also Angsträume beheben will, der muss dort ansetzen, wo sie entstehen, und darf nicht dem Glauben verfallen, dass Ordnungsamtskräfte eine Vorgartenidylle herbeizaubern können.

13
Aug
10

Ich geh dann mal Laufen I Woche Eins

6ter 8te 20zehn: Lauf eins

Es war soweit. Der Wecker schrillte nicht. Vollkommen nervös erwachte ich um 8vierundvierzig. Eigentlich sollte der Tag nicht vor 11zwanzig beginnen. Keine Chance mehr auf weiterschlafen. Aufstehen. Richtig, ich wollte Laufen gehen. Wo sind meine Schuhe? Hose? Kappe? Alles da. Kappe fehlt. Nach 20Minuten suchen gebe ich es auf. Anonymität wird auch überbewertet.

Handy ran, Ohrstöpsel rein, Timer stellen. Los gehts. Geradeaus, dann rechts, dann über die Straße, in den Park – und nun? verdammt. Ich habe keinen Plan, wo ich lang laufen soll. Kreativlos einfach geradeaus. Irgendwann rechts, noch einmal rechts, dann wieder rechts. Irgendwie den Kreis schaffen. Immer an die 2Minuten Taktung halten. Nach Hause zurückkehren. Ausschwitzen. Auf den Muskelkater warten.

8ter 8te 20zehn: Lauf zwei

Enttäuschung macht sich breit. Ich habe keinen Muskelkater. Nicht einmal das Gefühl der Erschöpfung hat sich breit gemacht. Es ist Sonntag 8achtundfünfzig. Ich kann schon wieder nicht eigenständig ausschlafen. Also aufstehen, Laufsachen anziehen, Handy suchen. Verdammt Akku leer. Kein Handy, keine Musik, kein Timer. Also erst Badezimmer putzen, dann Laufen gehen. Es ist trocken. Eine Überraschung für den Tag. An den Fahrradtouristen vorbei, die in der Kneipe eingefallen sind. Wie kann man um 10uhr schon klatschnass sein und in eine Kneipe gehen?

Ich schlage den gleichen Weg ein. 2Minuten laufen, 2Minuten gehen. Kaum ein Mensch ist unterwegs. Nichts passiert. Ich kehre zurück. Es zwickt in der Wade. Rechts außen schlimmer als links außen. Endlich – Schmerzen. Das Scheitern beginnt. Nun kommt bestimmt auch der Muskelkater, das Wetter und mangelnde Motivation.

10ter 8te 20zehn: Lauf drei

Keine Schmerzen. Kein Muskelkater. Das Wetter stabil. Ich laufe los. Routine macht sich breit. Wieder rechts, dann in den Park, gerade aus, rechts abbiegen, dann rechts in den Waldweg und so. 2Minuten laufen, 2 Minuten gehen. Beim Laufen auf die Strecke achten. Beim Gehen den Puls kontrollieren. Immer wieder den Schnecken ausweichen. Es klappt nicht. 5 werde ich wohl erwischt haben. Das Ziehen in der Wade wird intensiver. In den letzten 2Laufminuten ist es gar intensiv. Ich bilde mir ein, eine Ausbeulung an der Wade zu erkennen. Meine Schritte werden kleiner, der Timer erlöst mich.

Nach Hause, Wade streicheln und Duschen gehen.

Fazit:

Ich habe tatsächlich meinen Trainingsplan eingehalten. Habe mich nicht abhalten lassen. Ich bin nicht vollkommen zusammengebrochen und demotiviert. Der nächste Lauf wird dann 3Minuten laufen, 2Minuten gehen. Eine geringfügige Steigerung. Oder bin ich schon fitter geworden? Schon erste Trainingserfolge? Ich werde sehen, wie die zweite Woche verlaufen wird.

In diesem Sinne

Glück Lauf.

Hier die Chronologie:

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ich geh dann mal laufen i woche ein

06
Aug
10

Ich geh dann mal Laufen I Prolog

“Jeden Tag”, antwortete mir mein Gegenüber auf die spöttische Frage, wie häufig die Strecke in Angriff genommen wird. Er würde jeden Tag seine Runden im Park drehen. Für ihn sei der Park auch nicht zum Chillen da, sondern um dort seinen “Auslauf” zu bekommen. Ich schaute skeptisch und wahrscheinlich abwertend. Er hatte “Auslauf” gesagt. Wie ein Haustier schien er sich zu definieren.
Ein Läufer war ich nie. Joggen, Walken, Rennen, etc. wirkten auf mich eher wie eine kostenlose Slap- Stick Vorstellung der Menschen von nebenan. “Amateur- Pornographie für Freizeitsport” wenn man so will. Menschen, die sich plötzlich überlegen, dass sie ja einfach mal ein bisschen “Rennen” könnten. Der Bewegungsablauf ähnelt dabei aber nicht selten dem eines stockenden Dieselmotors, die Gesichtsfarbe nicht selten eines überhitzten Heizkessel und die Sportkleidung dem Schlafanzug. Alternativ gibt es natürlich jene, die sich von Kopf bis Fuß mit Themorkleidung ausstatten und den Eindruck machten, sie wollten den Marathon gewinnen. Dazu eine möglichst grimmige Mimik und perfekt ist der Klischeeläufer in meiner Vorstellung und meiner Beobachtung.
Das Joggen ist eine Bewegung geworden. Diverse Gruppen und Gruppierungen, Freunde, Nachbarn, Kollegen nehmen für sich in Anspruch “gerne” Laufen zu gehen. Mindestens 3km, aber eigentlich sind 10 das Ziel – und der Durchschnitt; mindestens einmal die Woche. Ich traue den meisten Aussagen nicht über den Weg, amüsiere mich redlich über all die Erlebnisse und erfreue mich der Anblicke der Freizeitsportler!

Doch nun, nachdem ich das Geschehen 10 Jahre beobachtet habe, will ich wissen, was dran ist. Was empfinden Menschen dabei, wenn sie ihren “Auslauf” im Park suchen? Warum machen sie es immer wieder? Stimmt diese wunderbare These, dass jeder das Laufen innerhalb kurzer Zeit “erlernen” kann, Fortschritte aufzuweisen hat und “süchtig” danach wird?

Ich stelle mich in den kommenden Wochen einem Selbtsversuch: Ich werde Laufen gehen. Ohne Trainer, ohne Pulsuhr, ohne Laufpartner. Dafür in einem Park, mit einer Stoppuhr und einer online-Plattform, an deren Trainingsplan ich mich zu halten versuche. Ich will wissen, ob ich auch laufen kann, ob dies irgendwelche Auswirkungen auf mein Gewicht und meine Ernährung hat. Ich will wissen, ob ich ebenfalls die gleichen Phrasen entwickeln werde, die ich zu genüge schon von anderen “Läufern” höre. Ich will wissen, ob ich das Laufen für mich als “Freizeitsport” entdecken kann.

In den kommenden Wochen werde ich hier also Zeugnis über meinen Fortschritt ablegen oder mein Scheitern dokumentieren. Wenn ich mein Trainingsziel erreichen sollte, dann habe ich 10 Wochen Training hinter mir und kann dreimal in einer Woche 30 Minuten Laufen gehen. Dann ist Herbst und es wird sich lohnen in Thermokleidung zu investieren.

Ich werde hier nach jeder abgeschlossenen Woche einen Beitrag veröffentlichen, der Stellung beziehen wird. Heute war Tag 1!

In diesem Sinne: Glück Lauf!

Hier die Chronologie:
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ich geh dann mal laufen i woche ein

10
Nov
09

wie der netto meine frisur verhinderte

Neun Uhr. Der Wecker schrillte. Schnell hoch, das Handy alias mein Wecker drohte sich vom Schreibtesch, der drei Meter von meinem Bett entfernt stand, herunterzuvibrieren. Der Ton ist unausstehlich. Gute Wahl, denke ich bei mir. Doch wo war ich? Es war nicht mein zu Hause aber dennoch vertraut. Immerhin fand ich den Weg zum Schreibtisch noch bevor ich die Augen öffnete – ohne gegen Stühle, Mülleimer oder sonstiges bodenbelegendes Zeug zu stoßen. Ich orientierte mich, stellte fest, dass alles gut war. Es war kein fremdes Zimmer und keine fremde Frau oder Mann lag in dem großen Bett. Nein, da lag eigentlich gar niemand.
Neun Uhr also. Ich hatte mir vorgenommen aufzustehen -irgendwann letzte Nacht zwischen eins und zwei. Aber da ich nun einmal wach war, konnte ich auch duschen gehen und den Tag freudig beginnen. Zurück in dem Zimmer meines Schlafes durchsuchte ich meine Tasche. Ich fand sie nicht. Ich hatte nicht nur mein Duschgel vergessen sondern obendrein auch meine Bürste. Ein Blick in den Spiegel verriet: Eine Katastrophe. Ich sah aus, als hätte ich in eine Steckdose gepackt. Also zumindest glaubte ich, dass Menschen die in eine Steckdose fassen so aussehen müssten. Meine Haare standen zu allen Seiten hin. Bürste, Kamm oder eine Gabel, nichts war zu finden, mit dem ich meine Haare hätte richten können.
Also los, Mütze auf, Bürste, Kamm oder ähnliches kaufen. Ich wusste, dass 200 Meter entfernt ein “Plus” war. Auf dem Weg dorthin erinnerte ich mich an den Werbespruch von “Plus”. Also jenen vor den “Kleinen Preisen”. “Prima-Leben-und-Sparen”. Feststellend, dass man als Werbetexter offensichtlich mit den flachsten Sprüchen eine große Menge Knete einheimsen konnte, ärgerte ich mich zu allem Überfluss nicht nur über meine vergessene Bürste sondern auch über die falsche Berufswahl: Raumplanung. Statt viel Geld für wenig gelungene Einfälle steht mir wenig Geld bei genialen Plänen bevor. Wie ungerecht!
Verdammt, hier ist alles anders. Im Gegensatz zum morgendlichen Wecker-Aufstehen- Ritual fand ich mich nicht zurecht. Alles war anders – nichts vetraut. Das Obst stand mir nicht mehr lieblos aufgebarrt im Weg sondern steuerte meine Bahn hin zum Müsli. Ich wollte doch gar kein Müsli. Das Fleisch verbaute mir den Weg zur Milchtheke. Morgens um halb zehn so viel Fleisch vor der Milchtheke verdirbt einem sofort den Appetit auf Frühstück. Und warum war eigentlich alles so verdammt Gelb? Die Einkaufswagen meiner Mitmenschen, die Preisschilder an den Regalen, die Regalverkleidungen. Tine Wittler? Nein, die konnte es nicht gewesen sein, es war eher schnörkellos und der Boden ist immer noch im klassichen “Discounter- Fließen- Look” der 90er Jahre.
Da wurde mir klar, auch diese “Prima- Leben- und- Sparen” Filiale ist umgewandelt worden. “Netto”. Für einen Studenten ein ungünstiger Name. Zahle keine Steuern, liege den Eltern auf der Tasche und nutze den Staat überall aus. Das Wort “Netto” hat also für mich eine Bedeutung wie das Wort “Zahnseide”. Ich kenne es.
Ob es für “Netto” wohl bald auch so sympathische Werbesprüche geben würde? Vielleicht entlehnt sich auch jemand einen Spruch aus der Politik: “Mehr Netto vom Plus”. Nein, ich bin nicht zum Werbetexter geboren.
Doch wo waren denn nun die Bürsten geblieben. Ich fand die Drogerieabteilung. Zahnpasta, Duschgel, Zahnseide, Nassrassierer für Sie und Ihn, mit und ohne schwenkbarem Rasierklingenkopf – alles war zu finden. Sogar eine Schere für die Fingernägel hing an diesem wunderbaren Regal. Eine Bürste suchte ich vergebens. Da fühlte ich mich auf einmal alt. Es durchschoss mich wie ein Blitz oder eben der Strom, wenn man in einer Steckdose gefasst hat. Diesen Satz, den ich nie denken und schon gar nicht sagen wollte: “Früher war alles Besser. Da war es hier noch ein Plus und ich konnte eine Bürste kaufen.” Früher konnte der Plus neben dem Netto leben und der Edeka hat sich meist auch gefreut, wenn jemand vorbeischaute. Heute haben sich Plus und Netto zusammengetan und aus diesem Plus wurde Netto City. Aus meiner Bürste eine vergrößerte Auswahl an Zahnseide (gewachst, ungewachst, hart, weich, handgezwirbelt oder maschinell, blau, grün, rot). Aus einem Kunden mit positiven Lebensgefühl wurde ein Mensch, der das Brutto vermisste – seine Bürste.

07
Sep
09

das geht ab

nachdem mir von verschiedener seite gesagt worden ist, dass ich zu viel schreibe, will ich an dieser stelle etwas posten, das für mich die selbstironie der spd darstellt und mich seit tagen vollkommen sinnfrei erfreut:

22
Mai
09

Freitag: Ein Blog wird geboren

Seit einigen Wochen und Monaten beschäftige ich mich nun schon mit der Frage, ob ich wirklich einen Blog eröffnen will. Schaffe ich es, ihn zu pflegen? Werde ich genug zu sagen haben? Wer wird ihn lesen? Vor allem aber die Frage, wie werden meine Beiträge aufgenommen?

Auf der anderen Seite will ich über den Alltag schreiben.  Über die kleinen aber feinen Geschehnisse auf der Straße, über die Menschen und die Städte, die von ihnen bevölkert werden und manchmal über die Politik will ich schreiben.

Schon jetzt möchte ich mich quasi im Vorhinein entschuldigen, wenn sich irgendwer wiederentdeckt, sich unpfleglich umschrieben fühlt oder meint, nicht treffend dargestellt worden zu sein. Aber ich werde abstrahieren und zuspitzen. Eine Verbindung von hier erschienen Artikeln  zu mir bekannten Personen ist dabei rein zufällig und entspringt ausschließlich meiner Phantasie.

Abschließend bleibt mir nur sagen, dass ich mich freue, dass sie den Weg auf diesen blog gefunden haben und ich mich ebenso freuen würde, wenn Sie immer mal wieder vorbeischauen würden.

Viele Grüße

Ihr

Platzebo




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