“Jeden Tag”, antwortete mir mein Gegenüber auf die spöttische Frage, wie häufig die Strecke in Angriff genommen wird. Er würde jeden Tag seine Runden im Park drehen. Für ihn sei der Park auch nicht zum Chillen da, sondern um dort seinen “Auslauf” zu bekommen. Ich schaute skeptisch und wahrscheinlich abwertend. Er hatte “Auslauf” gesagt. Wie ein Haustier schien er sich zu definieren.
Ein Läufer war ich nie. Joggen, Walken, Rennen, etc. wirkten auf mich eher wie eine kostenlose Slap- Stick Vorstellung der Menschen von nebenan. “Amateur- Pornographie für Freizeitsport” wenn man so will. Menschen, die sich plötzlich überlegen, dass sie ja einfach mal ein bisschen “Rennen” könnten. Der Bewegungsablauf ähnelt dabei aber nicht selten dem eines stockenden Dieselmotors, die Gesichtsfarbe nicht selten eines überhitzten Heizkessel und die Sportkleidung dem Schlafanzug. Alternativ gibt es natürlich jene, die sich von Kopf bis Fuß mit Themorkleidung ausstatten und den Eindruck machten, sie wollten den Marathon gewinnen. Dazu eine möglichst grimmige Mimik und perfekt ist der Klischeeläufer in meiner Vorstellung und meiner Beobachtung.
Das Joggen ist eine Bewegung geworden. Diverse Gruppen und Gruppierungen, Freunde, Nachbarn, Kollegen nehmen für sich in Anspruch “gerne” Laufen zu gehen. Mindestens 3km, aber eigentlich sind 10 das Ziel – und der Durchschnitt; mindestens einmal die Woche. Ich traue den meisten Aussagen nicht über den Weg, amüsiere mich redlich über all die Erlebnisse und erfreue mich der Anblicke der Freizeitsportler!
Doch nun, nachdem ich das Geschehen 10 Jahre beobachtet habe, will ich wissen, was dran ist. Was empfinden Menschen dabei, wenn sie ihren “Auslauf” im Park suchen? Warum machen sie es immer wieder? Stimmt diese wunderbare These, dass jeder das Laufen innerhalb kurzer Zeit “erlernen” kann, Fortschritte aufzuweisen hat und “süchtig” danach wird?
Ich stelle mich in den kommenden Wochen einem Selbtsversuch: Ich werde Laufen gehen. Ohne Trainer, ohne Pulsuhr, ohne Laufpartner. Dafür in einem Park, mit einer Stoppuhr und einer online-Plattform, an deren Trainingsplan ich mich zu halten versuche. Ich will wissen, ob ich auch laufen kann, ob dies irgendwelche Auswirkungen auf mein Gewicht und meine Ernährung hat. Ich will wissen, ob ich ebenfalls die gleichen Phrasen entwickeln werde, die ich zu genüge schon von anderen “Läufern” höre. Ich will wissen, ob ich das Laufen für mich als “Freizeitsport” entdecken kann.
In den kommenden Wochen werde ich hier also Zeugnis über meinen Fortschritt ablegen oder mein Scheitern dokumentieren. Wenn ich mein Trainingsziel erreichen sollte, dann habe ich 10 Wochen Training hinter mir und kann dreimal in einer Woche 30 Minuten Laufen gehen. Dann ist Herbst und es wird sich lohnen in Thermokleidung zu investieren.
Ich werde hier nach jeder abgeschlossenen Woche einen Beitrag veröffentlichen, der Stellung beziehen wird. Heute war Tag 1!
In diesem Sinne: Glück Lauf!
Hier die Chronologie:
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ich geh dann mal laufen i woche ein